aus dem Zyklus Die Farbe der Haut


Das Bild des menschlichen Körpers - zumal des weiblichen - ist längst zur Ware geworden. Schöne Körper begegnen uns zumeist als professionelle Werkzeuge der Werbeindustrie, als Auslösereize zur Manipulation unseres Denkens und Handelns. »Eye catcher« für das männliche Auge, Leitbild für das weibliche: »So müsstest du (eigentlich) sein«. Kunst kann diesem kommerziellen Blick auf den menschlichen Körper ihren eigenen Blick gegenüberstellen. Vor allem die von Frauen geschaffene Kunst. Sie reduziert den weiblichen Körper nicht auf seine sexuelle Funktionalität.


In meinen Arbeiten will ich die in der Schönheit des Körpers verborgene psychische Dimension der Nacktheit zeigen, die Verletzlichkeit, Einsamkeit, auch Wehrlosigkeit. Es sind die Gefühle des tiefsten Inneren, die mit unserer Sehnsucht nach dem Schönen immer verbunden sind. Sie sind der eigentliche Ursprung dieser Sehnsucht.


Ich stelle den weiblichen Akt nicht in den klassischen Posen dar. Aber auch ich benutze ihn, um die Betrachtenden ins Bild zu ziehen. Nur so vermag Kunst zu wirken - indem sie neue (Seh-)Erlebnisse auslöst. Dabei arbeite ich auf zwei Ebenen mit bildnerischen Zitaten, die durch die Gleichzeitigkeit von Wiedererkennen und Irritation den Seh-Prozess intensivieren: Zum einen Zitate »von innen«, aus der Geschichte der Kunst, indem ich mehr oder weniger verborgen auf Klassiker der Malerei anspiele. Zum anderen Zitate »von außen«, aus der bildgelenkten Alltagswelt, indem ich jene Icons ins Bild aufnehme, die unser Alltagsverhalten automatisieren, indem sie uns steuern.


Die Zitate dürfen die Schönheit stören, den Blick der Betrachtenden irritieren, vielleicht auch Rätsel aufgeben. Kunst ist wie gesagt stets ambivalent, immer zugleich Spiel und Ernst, Luxus und Notwendigkeit. Ein Kunstwerk lässt sich rational niemals ganz entschlüsseln. Das macht den Zauber des Werkes aus.